Warum geht bei EcoRoll der Motor nicht aus?

Hast du dich auch schon gefragt, warum der Motor nicht einfach abgestellt wird, wenn der LKW im EcoRoll-Modus rollt?

Es wäre doch naheliegend, das zu tun. Während des Rollens tritt dann kein Leerlaufverbrauch auf und das vergrößert die Dieseleinsparung.

Das ist ein gutes Argument, den Motor abzustellen, aber warum macht es dann keiner?

Um den Motor während der Fahrt abschalten zu können, muss die Betriebsbereitschaft der sicherheitsrelevanten Fahrzeugsysteme (Bremse, Lenkung und Beleuchtung) durch eine alternative Energieversorgung sichergestellt sein. Außerdem muss der Motor die erhöhte Anzahl an Startvorgängen ohne Beschädigung ertragen.

Wenn das Fahrzeug diese Voraussetzungen nicht erfüllt, muss der Motor angeschaltet bleiben.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe, hat sich noch kein Hersteller aufgerafft, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Aber vielleicht kommt das ja noch.

In diesem Kapitel kannst du nachlesen, was alles erledigt werden muss, bevor der Motor während der Fahrt ausgehen darf.

EcoSail – ein Name für EcoRoll mit abgeschaltetem Motor

Ich kenne die EcoRoll Funktion mit Motorabschaltung unter dem Namen „EcoSail“.

Ich finde, das ist ein logischer Name. – Der Kapitän vom Segelschiff schaltet ja auch den Dieselmotor aus, wenn das Schiff unter Segeln läuft.

Das, was beim Segelschiff der Wind ist, ist beim LKW der Schwung.

Um EcoRoll mit und ohne Motorabschaltung auseinander zu halten, werde ich im Folgenden den Namen EcoSail verwenden.

Also lieber Hersteller, der du als Erster diese Funktion anbietest – nenne sie bitte EcoSail!

Wenn du einen anderen Namen wählst, dann muss ich den ganzen Artikel umschreiben 😉

Vorteile von EcoSail

Das Kraftstoffeinsparpotential von EcoRoll verbessert sich durch EcoSail gleich in zwei Aspekten.

  • Es tritt kein Leerlaufverbrauch in der Rollphase auf.
  • Die Regelung ist einfacher, weil es keine „schlechten EcoRoll-Phasen“ gibt.

Kein Leerlaufverbrauch beim Rollen

In meinem Artikel über die Wirkungsweise von EcoRoll findest du wiederholt den Hinweis, dass der Leerlaufverbrauch während des Rollens einen deutlichen Teil der Verbrauchseinsparung wieder auffrisst.

Dieser Leerlaufverbrauch fällt bei EcoSail weg und damit wird die volle Dieseleinsparung durch den Wirkungsgradvorteil des Verbrennungsmotors wirksam.

Energievergleich ohne und mit EcoRoll und mit EcoSail

Das Bild zeigt die Energie bzw. Arbeit auf der Rollstrecke, auf der das Fahrzeug mit EcoRoll Einsatz von der oberen Geschwindigkeit auf die untere Geschwindigkeit ausrollt.

  • Grün ist die frei werdende Bewegungsenergie, die das Fahrzeug kostenlos antreibt.
  • Schwarz ist die Energie, die im Motorschub weggebremst und deshalb nachher vom Motor wieder nachgeliefert werden muss.
  • Rot ist die Abwärme, die im Motor dabei entsteht.
  • Gelb ist der Leerlaufverbrauch während der EcoRoll Phase.

Du siehst hier im Bild, dass bei EcoSail die komplette Bewegungsenergie zum Fahren genutzt wird, ohne zusätzlich Diesel zu verbrauchen.

Wieviel Kraftstoff spart EcoSail?

Gehen wir davon aus, dass der Leerlaufverbrauch irgendwo im Bereich zwischen 2 und 3 l/h liegt, dann sind das zwischen 33 und 50 cm3 Dieseleinsparung pro Minute Rollphase. Das ist dann mehr oder weniger ein doppelter Schnaps (40 cm3).

Du kannst ja mal stoppen, wie lange dein LKW im EcoRoll Modus rollt, dann bekommst du ein Gefühl, wie hoch die möglichen Einsparungen durch EcoSail in deinem Einsatzfall sein könnten.

Einfachere Steuerung bei der EcoSail-Funktion

Bei EcoSail gibt es keine schlechten Rollphasen. Dadurch ist die Betriebsstrategie dieser Fahrfunktion deutlich einfacher.

Was sind schlechte Rollphasen?

Schlechte EcoRoll Phasen sind diejenigen, die durch Bremsen mit der Betriebsbremse oder dem Retarder beendet werden.

Bremsen bedeutet, Bewegungsenergie in Wärme zu verwandeln. Bei EcoRoll ist das schlecht für den Verbrauch, denn vorher wurde ja extra Leerlaufverbrauch investiert, um die Motorbremswirkung zu verhindern und nun bremst das Fahrzeug doch. Der Leerlaufverbrauch war also unnötig.

Wenn am Ende einer EcoRoll-Phase ein aktive Bremsung steht, dann ist es schlauer den Motor nicht auszukuppeln, sondern ohne Dieseleinspritzung schieben und damit bremsen zu lassen. Dadurch wird die aktive Bremsung verringert oder vermieden und es tritt kein Leerlaufverbrauch auf. In diesem Fall ist der Motorschubbetrieb die effektivere Betriebsstrategie.

Bei einer schlechten EcoRoll Phase ist der Kraftstoffverbrauch mit EcoRoll höher als ohne. Das ist blöd und muss verhindert werden.

Das bedeutet aber, dass du oder dein Tempomat schon am Beginn der Rollphase wissen musst, ob sie später mit oder ohne aktive Bremsung enden wird. Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass das kompliziert zu berechnen ist.

Gute vorausschauende Tempomaten können das, aber auch bei denen gibt es sicherlich den einen oder anderen Irrtum.

Bei EcoSail ist es unerheblich, ob am Ende der Rollphase aktiv gebremst wird oder nicht. Da kein Leerlaufverbrauch auftritt, ist es für den Kraftstoffverbrauch egal, ob die Energie durch die Motor- oder die Radbremse vernichtet wird.

Die Steuerungslogik ist dadurch natürlich einfacher und Irrtümer haben keine negativen Auswirkungen.

Egal wie die Rollphase endet, wenn das Fahrzeug rollen kann, dann soll es das ruhig tun, um alle Einsparpotentiale wirklich zu erwischen.

Anforderungen an die Technik, um EcoSail zu ermöglichen.

Steigen wir jetzt in die Beantwortung der oben gestellten Frage ein:

Welche Voraussetzungen muss ein Fahrzeug erfüllen, wenn der Motor während der Fahrt abgestellt werden soll?

Ich werde auf die wichtigen Bereiche eingehen, in denen Voraussetzungen gegeben sein müssen, die ein Abschalten des Motors während der Fahrt ermöglichen. Diese Bereiche sind:

  1. Haltbarkeit und Lebensdauer der Fahrzeugkomponenten.
  2. Betriebsbereitschaft der Fahrzeugsysteme.
  3. Konformität mit geltenden Vorschriften.

1. Erhöhter Motorverschleiß muss vermieden werden.

Wenn der Motor bei Rollen ausgeht, dann muss er natürlich am Ende der Rollphase wieder gestartet werden.

Diese vielen zusätzlichen Motorstartvorgänge können einen erhöhten Motorverschleiß verursachen, der einen vorzeitigen Ausfall des Motors oder seiner Bauteile zur Folge haben kann. Das darf auf gar keinen Fall geschehen.

Es ist ja allgemein bekannt, dass Motorstarts für einen Verbrennungsmotor Stress bedeuten. Aber an welchen Teilen besteht die Gefahr eines vorzeitigen Ausfallens und wie kann man ihr begegnen?

Ich fange mal mit einem Bauteil an, das dir vielleicht auch als Erstes einfällt.

Hält der Anlasser durch?

Motoranlasser
Motoranlasser

Ja, der Anlasser sollte kein Problem darstellen.

Um den Motor nach beendeter Rollphase wieder zu starten, muss nicht unbedingt der Anlasser benutzt werden.

Bei EcoSail kann der Motor am Ende der Rollphase mithilfe der Kupplung gestartet werden.

Das Fahrzeug verfügt ja über ausreichend Bewegungsenergie, die den Motor vom Stillstand auf Betriebsdrehzahl beschleunigen kann.

Den Gang einlegen und dann die Kupplung wohldosiert schließen. So wird der Motor auf eine Drehzahl gebracht wird, die zur Raddrehzahl der Antriebsräder passt. Jetzt noch die Einspritzung wieder aktiviert und die Fahrt geht ganz ruckfrei und geschmeidig weiter.

Im Grunde ist es ein „anschieben“ des Motors. Der Kumpel, der schiebt, ist hier die Trägheitskraft.

Der Starter muss also nicht bemüht werden und damit erleidet er auch keinen verstärkten Verschleiß.

Es sind die Wellenlager, um die man sich kümmern muss!

Kurbelwelle mit Gleitlagern
Kurbelwellenlagerstellen

Die höhere Anzahl an Motorstarts kann zu erhöhtem Verschleiß an den Wellenlagerstellen führen. Deshalb muss der Motor konstruktiv auf diese Beanspruchung ausgelegt ist.

Besonders gefährdet sind die Gleitlagerstellen.

In einem Viertaktmotor sind die großen, hoch beanspruchten Wellen (Kurbelwelle, Pleuel, Nockenwellen) in hydrodynamischen Gleitlagern gelagert und das hat einen sehr guten Grund.

Diese Lager bieten einen sehr guten Wirkungsgrad, was vorteilhaft für den Kraftstoffverbrauch ist.

Um zu verstehen, warum gerade diese Lager sensibel auf Startvorgänge regieren, muss man wissen, wie sie funktionieren.

Auf der Seite hydrodynamische Gleitlager auf DeWiki.de ist die Funktionsweise ausführlich erklärt. Schau da ruhig mal rein.

An dieser Stelle erkläre ich das Wesentliche ganz kurz.

Gleitlager sind eigentlich Schwimmlager

Der Name „Gleitlager“ ist nicht ganz korrekt, denn die Welle gleitet nicht wirklich im Lager, sondern sie schwimmt auf einem Ölfilm. Dadurch berühren sich die metallischen Lagerbauteile nicht und es tritt kein mechanischer Verschleiß auf.

Das Ölpolster, auf dem die Welle schwimmt, entsteht durch die Drehbewegung der Welle selbst. Die drehende Welle zieht das Öl in den belasteten Lagerbereich und bildet einen Ölkeil aus.

Die Ölpumpe des Motors sorgt dafür, dass immer genügend Öl im Lager vorhanden ist. Sie drückt permanent neues Öl mit hohem Druck in das Lager.

Dieser Betriebszustand ist allerdings nur vorhanden, wenn der Motor sich mit Betriebsdrehzahl dreht. Es ist ein dynamischer Zustand.

Wenn nun beim Motorstopp die Wellen und auch die Ölpumpe stehen bleiben, dann sinkt die Welle auf die Lagerschale ab und die metallischen Teile berühren sich.

Solange die Welle stillsteht, ist das kein Problem. Ohne Bewegung entsteht auch kein Verschleiß.

Während des Motorstarts fängt die Welle aber nun an zu drehen. Jetzt muss sich der Öldruck wieder aufbauen und der Ölkeil im Lager muss sich neu ausbilden. Für einige Umdrehungen tritt in diese Situation Mischreibung auf.

Wie der Name sagt, ist Mischreibung eine Mischung aus mechanischer und hydraulischer Reibung. Der mechanische Anteil verursacht einen Verschleiß an den Lagerschalen.

Die Lagerschale besteht aus „Lagermetall“. Es ist ein spezielles Material, welches genau auf die Bedingungen hin optimiert ist und diese Gleitreibung mit geringem Verschleiß aushält.

Die Lagerschalen sind Verschleißteile, die auf eine bestimmte Lebensdauer ausgelegt sind. Ist die Lebensdauer erreicht oder überschritten, müssen sie ausgetauscht werden.

Ein LKW soll in der Regel mehr als eine Million Kilometer fahren können, bevor so eine Reparatur notwendig wird.

Der Entwicklungsingenieur legt deshalb die Lagerungen so aus, dass sie die Anzahl an Startvorgängen, die auf dieser Laufstrecke auftreten, ohne Problem aushalten.

EcoSail erhöht aber nun die Anzahl an Startvorgängen während dieser Million Kilometer drastisch. Dem müssen die Lager Rechnung tragen.

Bevor die EcoSail Funktion für den Kundeneinsatz freigegeben werden kann, muss sichergestellt sein, dass die Lager die zusätzlichen Startvorgänge ohne frühzeitigen Ausfall aushalten. Falls notwendig, müssen die Lager oder das Schmiersystem konstruktiv überarbeitet werden.

So eine Motor-Umkonstruktion ist eine teure Angelegenheit. Das wird man nur dann machen, wenn man eh eine größere Motorüberarbeitung geplant hat.

2. Die Betriebssicherheit muss sichergestellt sein.

Du musst als Fahrer jederzeit in der Lage sein, das Fahrzeug zu beherrschen und alle gefährlichen Situation zu entschärfen. Auch, wenn mal etwas kaputtgeht.

Daraus resultiert eine ganz wichtige Anforderungen an die Technik des LKW:

Solange das Fahrzeug in Bewegung ist, müssen alle sicherheitsrelevanten Systeme immer zuverlässig funktionieren. Die Systeme dürfen auch bei einem einfachen Fehler nicht ausfallen. (Redundanz)

Die sicherheitsrelevanten Systeme Bremse, Lenkung und Elektrik/Elektronik werden vom Motor mit Energie versorgt.

Der Motor speist die Energie entweder direkt in das System ein oder er lädt einen Energiespeicher auf, aus dem die Energie dann je nach Bedarf entnommen wird. Wie das bei jedem einzelnen System erfolgt, schauen wir uns gleich im Detail an.

Normalerweise besteht dreifache Redundanz.

Es hatte seinen Grund, weshalb der Fahrlehrer dir gesagt hat: „Nimm niemals während der Fahrt den Gang raus!“

Schauen wir uns mal an, warum.

Angenommen, der Motor geht kaputt. Dann rollt das Fahrzeug noch solange weiter, bis die kinetische Energie aufgebraucht ist, also bis das Fahrzeug zum Stillstand kommt. In dieser Zeit muss die Lenkung und die Bremse funktionsfähig bleiben und auch das Licht darf nicht ausgehen.

Mit dem Stillstand ist dann wieder ein sicherer Betriebszustand erreicht, wo nichts mehr passieren kann. Da die Lenkung und Bremse noch funktionieren, kannst du mit dem restlichen Schwung an einen sicheren Ort rollen und dort anhalten.

Ist während dem Ausrollen der Motor weiterhin mit den Antriebsrädern verbunden, dann werden alle Fahrzeugsysteme weiterhin durch den Motor mit Energie versorgt.

Bei eingelegtem Gang und geschlossener Kupplung wird der Motor von der Fahrzeugmasse angeschoben, bis die Bewegungsenergie alle ist und das Fahrzeuge stehen bleibt. Solange funktionieren dann auch die Nebenverbraucher und damit auch die Systeme.

Die Energie kommt nicht mehr aus der Dieselverbrennung, sondern aus der Bewegungsenergie des Fahrzeuges.

Wenn das Fahrzeug zum Stillstand gekommen ist, dann ist die Gefahr gebannt.

Normalerweise besteht also bei sicherheitsrelevanten Systemen eine dreifache Redundanz.

  1. Energie wird von der Verbrennung geliefert.
  2. Energie wird vom Speicher geliefert.
  3. Energie wird von der Bewegungsenergie geliefert.

Das ist also schon mal eine sichere Sache.

Während EcoRoll besteht zweifache Redundanz

Bei EcoRoll wird es schon interessant. Hier fällt während der Rollphase die dritte Sicherheitsebene weg, weil der Motor von den Rädern getrennt wird.

Es bleiben aber noch zwei Ebenen aktiv. Der Motor läuft im Leerlauf und die Speicher sind gefüllt. Ist das nicht sichergestellt, dann wird EcoRoll nicht aktiviert, da passt die Elektronik auf.

Falls irgendwas schiefgehen sollte, wird sofort der Gang wieder eingelegt, um maximale Sicherheit zu erlangen und das Fahrzeug auf jeden Fall beherrschbar zu halten!

Das ist übrigens auch der Grund, warum EcoSail nur in Verbindung mit einem automatisiertem Getriebe verwendet wird. Die Elektronik, in Verbindung mit den mechanischen Schaltvorrichtungen, bekommen den Gang sicher schnell rein! Man will in so einer Situation nicht auf den Fahrer angewiesen sein.

EcoSail ohne Zusatzmaßnahmen hätte nur eine Sicherheitsebene

Bei EcoSail werden nun gleich zwei Sicherheitsebenen abgeschaltet. Der Triebstrang wird geöffnet und der Motor geht aus.

Ohne spezielle Maßnahmen besteht die Gefahr, dass wichtige Systeme im Fahrzeug auf einmal nicht mehr funktionieren. Die Fahrzeugbeherrschung könnte verloren gehen. Das darf aber nicht passieren!

Bei EcoSail muss die Ausfallsicherheit während der Fahrt mit abgestelltem Motor und geöffnetem Triebstrang durch zusätzliche Maßnahmen sichergestellt werden.

Schauen wir uns das also System für System genau an.

Die Bremse

Druckluftkompressor für die Bremsanlage
Druckluftkompressor

Das Bremssystem eines LKW ist ein Fremdkraftsystem.

Fremdkraftsystem bedeutet, dass die Kraft zum Bremsen nicht vom Fahrer aufgebracht wird. Der Fahrer gibt nur Steuersignale.

Im LKW wird die Betätigungskraft der Bremse mit Druckluft erzeugt.

Die erforderliche Druckluft wird vom Motor durch einen Kompressor erzeugt und in mehreren Luftkesseln gespeichert. Die Bremse ist in mehrere Teilsysteme aufgeteilt (Bremskreise) von denen jedes seinen eigenen Speicher besitzt.

Ist nicht ausreichend Druckluft in den Druckluftkesseln vorhanden, dann sorgt eine starke Stahlfeder in der Radbremse dafür, dass die Bremse betätigt und das Fahrzeuge angehalten wird.

Das Bremssystem ist von Hause aus so redundant, dass EcoSail ohne zusätzliche Vorkehrungen möglich ist.

Für die Bremse ist EcoSail unproblematisch.

Die Lenkung

Lenkhelfpumpe
Lenkhelfpumpe

Bei der Lenkung sieht das anders aus.

Die Lenkung ist ein Hilfskraftsystem.

Das bedeutet: Die Kraft kommt vom Fahrer und wird vom Fahrzeug lediglich unterstützt.

Die Hilfskraft wird durch Öldruck im Lenkgetriebe erzeugt. Eine vom Motor angetrieben Lenkhilfepumpe erzeugt diesen Öldruck.

Bleibt der Motor stehen, dann ist die Lenkunterstützung weg und die Lenkung geht unzumutbar schwer.

Die Redundanz in der Lenkung ist durch eine direkte, mechanische Verbindung zwischen dem Lenkrad und den gelenkten Rädern zwar gegeben, aber das wollen wir nicht erleben. Wer als Versuchsfahrer schon mal die Gelegenheit hatte den Zulassungstest für ein Lenksystem mit ausgefallener Lenkunterstützung zu fahren, weiß, wovon ich rede.

Es muss also eine alternative Energiequelle eingebaut werden.

Es sind drei Alternativen denkbar:

  • Eine zusätzliche Lenkhelfpumpe am Getriebe anbauen. (Zweikreislenkung)
  • Eine Lenkhelfpumpe mit Elektroantrieb.
  • Eine zusätzliche Lenkunterstützung durch einen Elektromotor am Lenkgetriebe.

Die erste Lösung ist bei schweren Fahrzeuge seit vielen Jahren üblich. Ist die Achslast so groß, dass die gesetzlichen Vorgaben für die mechanische Redundanz nicht erreicht werden, wird üblicherweise eine Zweikreislenkung eingebaut.

Ist eine Lenkhelfpumpe am Getriebeausgang angeschlossen, dann wird sie bei eingelegtem Leerlauf nicht von den Rädern getrennt. Sie wird dann von der Bewegungsenergie des Fahrzeuges so lange weiter angetrieben, bis die Räder zum Stillstand kommen.

Die zweite Variante bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Lenkpumpe bedarfsgerecht zu steuern und dadurch auch währende der Fahrt weiteren Kraftstoff zu sparen.

Die dritte Alternative würde ich empfehlen. Mit so einer „aktiven Lenkung“ sind neben der Redundanz für EcoSail noch aktive Spurhaltung bzw. teilautomatisiertes Fahren möglich. Ich sehe hier viele Vorteile vereint.

Inzwischen sind schon eine ganze Reihe an Fahrzeugen mit solchen Lenksystemen ausgerüstet, die diese Redundanzebene ermöglichen würden.

Bei EcoSail muss das Lenksystem mit einer zusätzlichen Lenkunterstützung ausgerüstet sein.

Das elektrische Bordnetz

Lichtmaschine
Generator

Würde während der Fahrt der Strom ausfallen, hätte das schwerwiegende Folgen:

  • Das Licht geht aus und der Fahrer sieht bei Nacht nicht mehr, was vor dem Fahrzeug passiert.
  • Die Signalanlage versagt, kein Rücklicht, kein Blinker, keine Warnblinkanlage.
  • Die Assistenzsysteme funktionieren nicht mehr, obwohl sie möglicherweise genau in dieser Situation dringend gebraucht würden.
  • Elektrische Aktuatoren oder Stellmotoren funktionieren nicht mehr.
  • Auch das Einlegen des Ganges ist nicht mehr möglich.

Die Fahrzeugelektrik und Elektronik muss also auf jeden Fall funktionieren.

Jeder LKW verfügt über zwei unabhängige Stromquellen. Den Generator und die Batterien.

Der Generator wird vom Motor angetrieben und erzeugt Strom, solange der Motor läuft. Er versorgt das Bordnetz und lädt auch die Batterien auf.

Die Starterbatterien versorgen das Fahrzeug bei Motorstillstand mit elektrischer Energie. Der bekannteste Fall ist zweifelsfrei der Motorstartvorgang. Der Strom für den Anlasser kommt auf der Batterie. Sie puffern aber auch während der Fahrt Verbrauchsspitzen ab.

Im Fall eines Generatordefektes oder wenn der Antriebsriemen am Generator reißt, versorgen die Batterien das Fahrzeug und garantieren einen sicheren Betrieb.

Auch hier haben wir die Situation, dass während einer EcoSail-Rollphase der Generator keinen Strom liefert. Mit der Starterbatterie verbleibt nur noch eine Quelle für Elektroenergie am Bordnetz.

Bevor EcoSail aktivierte wird, muss also sicher sein, dass der Ladezustand der Batterien ausreichend hoch ist.

Leider ist es bei Starterbatterien nicht selten, dass sie überraschend kaputtgehen.

Träte das während der Fahrt auf, wenn EcoSail den Motor ausgekuppelt und angehalten hat, dann wäre das fatal.

Ein Fahrzeuge mit EcoSail braucht eine zusätzliche Batterie, die beim Ausfall der Starterbatterie die Stromversorgung übernimmt.

Es ist denkbar, dass die Batterie so groß dimensioniert ist, dass sie das Fahrzeug bis zum Stillstand mit Strom versorgen kann.

Eine andere Alternative wäre eine Batterie, die ausreicht, den Gang wieder einzulegen, damit den Motor wieder zu starten und den Generator wieder ans Bordnetz zu nehmen. Ab dann kann der Generator wieder übernehmen.

Diese Backup-Batterien müssen mit einer Batterieüberwachung ausgestattet sein. Es könnte sonst passieren, dass gerade diese Batterien kaputtgehen und es nicht bemerkt wird, weil sie ja normalerweise nicht gebraucht werden. Im Falle eines Ausfalles wären die Backup-Batterien dann auch schon kaputt und könnten ihren Dienst nicht übernehmen. Das darf nicht passieren, deshalb müssen diese Batterien überwacht und ihr Ausfall angezeigt werden.

3. Die Abgaswerte müssen eingehalten werden.

Die Abgasnachbehandlung ist ein weiteres Motorsystem, dass für den EcoSail Betrieb überprüft und gegebenen Falles angepasst werden muss.

Damit die Abgasnachbehandlungschemie perfekt funktioniert, müssen die Katalysatoren in der Abgasbox eine bestimmte Betriebstemperatur haben. Ist die Temperatur nicht vorhanden, dann ist der Schadstoffausstoß erhöht.

Die Abgasgesetzgebung hat dafür ganz genaue Anforderungen definiert und diese müssen auf jeden Fall eingehalten werden.

Im Motorbetrieb sorgt das heiße Abgas für die notwendige Katalysatortemperatur.

Stellen wir bei EcoSail den Motor ab, dann fehlt dieser heiße Abgasstrom. Das könnte bei niedrigen Außentemperaturen dazu führen, dass die notwendige Katalysatortemperatur unterschritten wird. Die Folge wäre zu hohe Abgaswerte.

Bevor die Temperatur im Abgaskatalysator unter den kritischen Wert sinkt, muss der Motor wieder gestartet werden, um die Abgaswerte im Normbereich zu halten.

Hoffen wir mal, dass die Katalysatoren so gut isoliert sind, dass dieser Fall nicht eintritt.

Zusammenfassung

  • EcoSail vermeidet den Leerlaufverbrauch beim Rollen.
  • Bei EcoSail gibt es keine schlechten Rollphasen.
  • Um erhöhten Motorverschleiß zu vermeiden, müssen die Gleitlager auf diese Belastung ausgelegt sein.
  • Das Bremssystem ist für EcoSail geeignet.
  • Das Lenksystem benötigt eine zusätzliche Lenkunterstützung.
  • Das Bordnetz muss auch während der EcoSail Phase über zwei Stromquellen verfügen.
  • Die Abgaswerte dürfen auch bei Nutzung von EcoSail nicht überschritten werden.

Ich hoffe, es wird nicht mehr lange dauern, bis wir ein Fahrzeug mit EcoSail auf unseren Straßen sehen!

Falls du die Artikel über EcoRoll und Pulse&Glide noch nicht gelesen hast, dann solltest du das tun, damit du das gesamte Themengebiet kennenlernst hast.

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